Unternehmensbewertung

Die Unternehmensbewertung ist für viele Zwecke unerlässlich.

Anlässe für Unternehmensbewertung

  • Nachfolgeplanung
  • Aufnahme neuer Gesellschafter
  • Ausscheiden von Gesellschaftern
  • Unternehmenskauf
  • Unternehmensverkauf
  • Anteilsverkauf
  • Erbauseinandersetzung
  • Ehescheidung

Sollte ein Unternehmen auch bewertet werden, wenn es unentgeltlich übergeben wird?

In den meisten Fällen ist dies zweckmäßig. Bedeutung könnte der Wert für die Schenkungs-/Erbschaftsteuer oder für die Abfindung weichender Erben haben.

Welche Bewertungsverfahren gibt es?

In der Praxis kommen die nachfolgende Methoden zur Anwendung, die auch vor Gericht standhalten:

  • Ertragswertverfahren
  • Discounted Cashflow-Verfahren (DCF-Verfahren)
  • Multiplikatormethode

Das Ertragswertverfahren und das Discounted Cashflow-Verfahren sind Barwertmethoden.

Das bedeutet, dass sich der Wert eines Unternehmens aus der Abzinsung seiner in Zukunft erwirtschafteten Zahlungsströmen ableitet.

Weder der Vergangenheitserfolg noch die Substanz fließt unmittelbar in den Wert ein. Die Vergangenheit stellt jedoch die Grundlage dar, um das zukünftige Potential des zu bewertenden Unternehmens zu erfassen.

Ebenso sind Einrichtungen, Technik, Erfindungen, eingespieltes Material und ein Kundenstamm von Bedeutung, um zukünftig Erträge zu erzielen. Durch das Ertragswertverfahren wird damit indirekt auch die Substanz wertbestimmend erfasst.

Das Discounted Cashflow (DCF)-Verfahren ist dem Ertragswertverfahren nicht unähnlich. Lediglich bei der Bestimmung des Kapitalisierungszinsatzes gibt es deutliche Unterschiede. Beim DCF-Verfahren werden Kapitalmarkteinflüsse stärker betont. Im Übrigen werden statt des Unternehmensertrags die verfügbaren Zahlungsflüsse (Free Cash Flow) verwendet. Ein Unterschied zwischen beiden Größen besteht nur kurzfristig. Bei einer Langzeitbetrachtung nähern sich beide Faktoren an.
Ertragswertverfahren und Discounted Cashflow-Verfahren sind beide gleichermaßen anerkannt, wobei in Deutschland häufiger das Ertragswertverfahren herangezogen wird, im internationalen Umfeld eher das Discounted Cashflow-Verfahren.
In manchen Branchen wird das Multiplikatorverfahren angewendet. Bei dieser Methode wird der Unternehmenswert entweder aus dem Marktpreis vergleichbarer, börsennotierter Unternehmen abgeleitet, oder auf Basis von Preisen, die im Rahmen von Transaktionen mit vergleichbaren Unternehmen gezahlt wurden.

Diese Methode ist einfach, führt jedoch häufig zu falschen Werten. Weil jedes Unternehmen individuell mit ganz eigenen Stärken und Schwächen ausgestattet ist, werden bei Anwendung eines Multiplikators häufig Äpfel mit Birnen verglichen.

Welche Methoden sind nicht geeignet?

  • Liquidationswert
  • Substanzwert
  • Mischverfahren wie das Stuttgarter Verfahren oder z.B. ein Durchschnitt zwischen Umsatz und Eigenkapital

Wie wird ein Unternehmen bewertet?

Für die Ermittlung des Unternehmenswertes anhand des Ertragswertverfahrens werden die zukünftigen finanziellen Überschüsse aus der Unternehmensplanung abgeleitet. Dazu werden für 3 bis 5 Jahre Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen erstellt.
Die Vorgehensweise bei einer Bewertung gliedert sich in die folgenden Schritte:

  1. Analyse der Vergangenheitsergebnisse und Bereinigung um einmalige Sondereffekte
  2. Plausibilisierung der zukünftigen finanziellen Überschüsse anhand der Vergangenheitsanalyse sowie anhand des Markt- und Wettbewerbsumfeldes
  3. Diskontierung der zukünftigen finanziellen Überschüsse
  4. Falls Vermögenswerte vorhanden sind, die im Betrieb nicht benötigt werden (z.B. Finanzanlagen oder nicht betrieblich genutzte Grundstücke und Gebäude), werden diese gesondert bewertet und dem Ergebnis aus 1 – 3 hinzuaddiert.

Bewertungen in Deutschland basieren häufig auf einem Bewertungsstandard des Instituts der Wirtschaftsprüfer, dem IDW-Standard 1 – Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen“ (IDW S 1). Nach IDW S 1 ergibt sich der Unternehmenswert grundsätzlich aus den finanziellen Überschüssen, die bei Fortführung des Unternehmens und Veräußerung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens erwirtschaftet werden. Da die zugrunde gelegten finanziellen Überschüsse dem Unternehmenseigner bzw. Investor zu seiner freien Verfügung stehen sollen, sind sie unter Berücksichtigung der Unternehmensteuern sowie grundsätzlich der beim Eigner aufgrund des Eigentums an dem Unternehmen entstehenden persönlichen Ertragsteuern zu ermitteln. Eine Bewertung nach IDW S 1 wird häufig für gutachterliche Zwecke erstellt und in einem Sachverständigengutachten dokumentiert.

Wesentliche Anhaltspunkte für einen aussagekräftigen Unternehmenswert

Eine Unternehmensbewertung kann sehr aufwändig ausgestaltet sein, aber auch nur überschlägige Werte ermitteln. Im Auftrag sollte genau festgelegt werden, für welchen Zweck eine Bewertung erfolgt. Soll es nur eine Orientierung sein, kann eine Vereinfachung sinnvoll sein. Werden die Ergebnisse jedoch für Verhandlungen vor Gericht oder mit Geschäftspartnern benötigt, sollte eine solide Bewertung erfolgen.

Folgende Gesichtspunkte spielen für den Aussagegehalt eines Unternehmenswertes eine wichtige Rolle:

Bewertungsstichtag

Der Wert eines Unternehmens wird für einen konkreten Zeitpunkt ermittelt. Dies bedeutet auch, dass der Unternehmenswert immer nur einen bestimmten Kenntnisstand berücksichtigen kann und folglich die für verschiedene Bewertungszeitpunkte ermittelten Unternehmenswerte nicht übereinstimmen müssen.

Bewertungsanlass

Das Vorgehen bei einer Bewertung richtet sich grundsätzlich nach dem Bewertungsanlass. Dieser muss daher vom Auftraggeber der Bewertung genau definiert werden. Hierbei kann es sich im Rahmen der Nachfolgeplanung beispielsweise um Bewertungen für Verkaufszwecke oder für Zwecke der Ermittlung des Wertes einer Beteiligung bei Ausscheiden eines Gesellschafters handeln. Die Ausrichtung der Bewertung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Wahl der Prämissen und damit auf den Wert.

Dokumentation der Prämissen und Vorgehensweise

Um die Einflussgrößen auf einen Wert ausreichend transparent darzustellen, gehört zu einer ordnungsgemäßen Unternehmensbewertung immer die Dokumentation der Prämissen und der gewählten Vorgehensweise durch den Bewerter.

Plausibilität der eingehenden Daten

Die in die Bewertung eingehenden Daten, insbesondere die vom Unternehmen erstellte Planung, sind auf Plausibilität zu prüfen, besonders im Hinblick auf die Vergangenheit. Beispielsweise sollte eine im Vergleich zur Vergangenheit sehr optimistische Umsatzplanung noch einmal hinterfragt werden. Hier ist ebenfalls zu fragen, ob die Unternehmensplanung vollständig ist und die Situation des zu bewertenden Unternehmens den Kenntnisstand des Bewertungsstichtages ausreichend widerspiegelt.

Stille Reserven und (und Risiken)

Unternehmen können stille Werte und Risiken haben. Stille Reserven sind beispielsweise in Grundstücken enthalten, die mit ihren historischen Anschaffungskosten in der Bilanz stehen und nicht betriebsnotwendig sind. Stille Lasten sind beispielsweise unterbewertete Pensionsverpflichtungen. Solche stillen Reserven und auch Risiken sind in einem Verkehrswert ausreichend zu berücksichtigen.

Angemessener Kapitalisierungszins

Der Kapitalisierungszins kann einen großen Einfluss auf das Ergebnis einer Bewertung haben und muss daher sorgfältig abgeleitet werden.

Angemessene Bandbreite

Eine Unternehmensbewertung hängt entscheidend von den zugrunde gelegten Daten und Prämissen ab. Lassen die zur Verfügung stehenden Daten die Ableitung eines eindeutigen Wertes nicht zu, so kann der Bewerter eine angemessene Bandbreite für den Unternehmenswert ermitteln oder mit Hilfe einer Szenarioanalyse die Sensitivitäten des Wertes darstellen.

Plausibilisierung des Bewertungsergebnisses

Das Bewertungsergebnis sollte abschließend mit anderen, vergleichbaren Werten verglichen werden, um die Größenordnung des Unternehmenswertes zu plausibilisieren.